Licht und Schatten in Nicaragua

on Montag, 22 November 2010.

Unsere erste Anlaufstelle in Nicaragua war Granada (an der Stelle viele liebe Grüße an Anne & Konrad, die vor einem Jahr auch hier waren!). Am frühen Morgen sind wir mit einem lokalen Bus aus der Hauptstadt Managua hier angekommen und haben uns nach unserer Ankunft auch gleich auf die Suche nach unserem Hostel gemacht, das wir uns eigentlich zuvor im Internet ausgesucht hatten. Wo es hätte sein sollen war es leider nicht, so wie es aussieht wurde es kurzerhand geschlosssen! Wir also mit dem ganzen Gepäck weiter - zu unserem Glück haben wir von einer (ausnahmsweise) netten Frau einen guten Tipp bekommen. Granada als Stadt war schön, insbesondere die Aussicht vom höchsten Glockenturm der Stadt war sehr beeindruckend. Ansonsten sind hier verhältnismässig viele Touristen und an deren Bedürfnisse angepasst eine Unmenge an Bars und Restaurants. Nachdem ich zwei Tage lange zum allerersten Mal auf der Reise wirklich kleinere gesundheitliche Probleme hatte (kaum erwähnenswerter Dünnpfiff ;-)) blieben wir insgesamt 4 Nächte in der Stadt.

Nächster Zielort sollte die Vulkaninsel Ometepe sein, die von Granada aus an 2 Tagen in der Woche mit einem kleinen Schiff zu erreichen ist - eigentlich. Wir sind wie immer pünktlich an der Anlegestelle angekommen (3 km Fussmarsch mit dem Gepäck) um dann zu erfahren, dass ausgerechnet heute wegen "höherer göttlicher Gewalt" (!) keine Verbindung besteht. Schnell her mit dem Plan B: Mit dem Taxi zum Busterminal um dann nach San Jorge zu kommen, wo jeden Tag mehrere Schiffe fahren. Dort angekommen erfuhren wir, dass der Bus gerade im Moment abgefahren ist. Also wieder zurück ins Taxi und mit Vollgas dem Bus hinterher, den wir tatsächlich nach wenigen Kilometern durch die Stadt erreicht haben. Es handelte sich hierbei um einen sogenannten Chicken-Bus, der hauptsächlich von den Einheimischen oder Backpackern genutzt wird, da er wirklich ausgesprochen günstig ist. Man darf hier allerdings kein Problem damit haben, wenn der Rucksack lieblos auf dem Dach des Busses landet und im Inneren des Busses - sagen wir mal doppelt so viel Leute sind, als eigentlich zulässig. Bis zum Hafen war vom Busterminal aus noch einmal eine kurze Taxifahrt notwendig, die wir uns mit einem finnischen Paar teilten. Wie die Geier stürzten die Taxifahrer auf uns, nachdem wir in Rivas den Bus verlassen hatten. Für mich persönlich eine Erfahrung, die das Blut in den Adern leicht in Wallung geraten liess. Am Hafen angekommen müssen Touristen, also Ausländer, dann erstmal eine Tourismussteuer in Hóhe von einem Dollar begleichen, um überhaupt mal das Gelände betreten zu dürfen. Blut in Wallung Teil 2! Dann die wirklich günstige Bootsfahrt auf die Insel (umgerechnet 1,50 US-$)... Im Nachhinein eine unglaublich holrige Angelegenheit in einem Kutter, den ich wahrscheinlich kein zweites Mal freiwillig besteigen würde - und das 1,5 Stunden lang! Gleiches Spiel mit den Taxifahrern dann bei der Ankunft auf der Vulkaninsel Ometepe: "Es fährt kein Bus nach Altagracia, nur Taxi." 50 Meter weiter wartet der Bus der umgerechnet nicht einmal ein Zehntel von dem kostet, was uns der hilfsbereite Taxifahrer abknöpfen wollte.

In Altagracia, einem wirklich ursprünglichen Dörfchen an der Ostküste der Insel haben wir ein schönes, sauberes und wirklich günstiges Hotel gefunden. Von dort aus haben wir einen Tag in einer Art Schwimmbad am Fusse des Vulkans Concepcion verbracht, ehe wir ein supersympathisches Paar aus Holland kennengelernt haben. Nach einem gemeinsamen Abend mit etlichen Bierchen entschieden wir uns, am darauf folgenden Tag gemeinsam mit Karien und Jesse eine Besteigung des Concepcion in Angriff zu nehmen. Bei ziemlicher Hitze ging es um 8:00 Uhr morgens los. Die wirklich schöne, aber auch ungeheuer anstrengende Strecke führte uns gemeinsam mit unserem Guide Osbaldo sprichwörtlich über Stock und Stein. Auf einer Höhe von knapp 1.000 Metern entschieden wir, uns nur noch auf die atemberaubende Aussicht zu konzentrieren und den bereits zuückgelegten 850 Höhenmetern keine weiteren folgen zu lassen.

Eigentlich gibt es über die Zeit auf Ometepe noch so viel zu erzählen - angefangen bei den wirklich unglaublichen Nächten mit unfassbaren Geräuschen (Hähne, Prozessionsumzug, Reisegruppen, Kokosnüsse etc.)

So beschlossen wir am nächsten Tag, noch an nach San Juan del Sur zu fahren. Diese Stadt liegt direkt am Meer und ist vor allem bei Surfern bekannt. Dementsprechend hoch ist auch der Anteil der Ausländer, die ansonsten wohl kaum andere Plätze in Nicaragua kennen lernen. Mir persönlich hat es dort überhaupt nicht gefallen, obwohl wir in einem blitzsauberen Hotel einer Deutschen gewohnt haben. Es änderte nichts daran, dass es mir dort viel zu touristsich war und ich wieder einmal das Gefühl hatte, dass an jeder Ecke die Geier lauern, die uns nur allzu gerne ein paar Dollar zu viel aus der Tasche ziehen würden.

Die Fahrt zur nahe gelegenen Grenze war nach Ende der Zeit in San Juan del Sur kein Problem, was uns allerdings an der Grenze erwarten sollte konnten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht ahnen. So blickten wir auf eine insgesamt - aus vielerei Hinsicht - interessante Zeit zurück, in der wir einerseits eine schöne Landschaft mit vielen besonderen Eindrücken erleben durften, aber andererseits auch immer wieder die Erfahrung machen mussten, als Tourist hier nur ein Objekt der Begierde zu sein, und das im Sinne von "soviel Geld mit den Deppen verdienen wir nur möglich". Traurig, aber leider wahr, denn von den Leuten in Zentralamerika hatten wir zuvor ein ganz anderes Gesicht erwartet.

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